UA-69526861-1
Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 

 

 

Hexenzunft Bühler Hexen e.V. – Chronik

 

 

 

Der Verein

 

Franz Josef Müller führte am Fastnachtsdienstag 1951 die erste Hexenverbrennung in Bühl durch. Die Vorgeschichte hierzu lieferte der alte Brauch, dass die Elferräte der Narrhalla Bühl am Fastnachtsdienstag ihre weißen Spitzenrüschen vom Balkon des Rathauses auf einen Feuerhaufen warfen. Hierzu hatte Franz Josef Müller 1950 eine pyrotechnische Leuchtschrift mit dem Text „AUF WIEDERSEHEN“ abgebrannt. Aus der Weiterentwicklung dieser Idee entstand nun die Bühler Hexenverbrennung. Gleichzeitig begann Friedel Nesselhauf zur Bereicherung dieser Veranstaltung mit dem Schnitzen von Holzmasken und schon 1955 wurde die Hexenverbrennung durch eine „Handvoll Hexen“ umrahmt – das Geburtsjahr der Bühler Hexen.

In den 1950iger Jahren gab es in der gesamten Ortenau neben den Offenburger nur die Bühler Hexen. Das Interesse an dieser neuen Figur war sehr groß. Neben der Beteiligung an Fastnachtsumzügen und Saalveranstaltungen prägte vor allem der 1964 in Dienst gestellte selbst fahrende Hexenwagen mit dessen Turm und Konfettikanone für bis zu 10 Pfund Konfetti pro Schuss den Begriff der „Bühler Hexen“.

Im gleichen Jahr formierte sich aus den Reihen der Zunft die Hexentanzgruppe. Diese bereichert nach wie vor viele Veranstaltungen in und außerhalb von Bühl durch ihre schwungvollen Tänze. 1983 entstand mit der Hexenmusik eine besondere Attraktion des Vereins und die gleichzeitig erste Guggenmusik im Bühler Raum. Die Musikerinnen und Musiker sind beim Spielen auf der Bühne immer in Bewegung und bieten somit zur Musik eine besondere Show.

Mit der Vorstellung des „Windeck-Schemen“ komplettierte die Hexenzunft 1987 das Erscheinungsbild des Vereins. Bei den Umzügen steht der Windeck-Scheme als weithin sichtbare Figur auf dem vorderen der beiden Türme des Hexenwagens und braut beim Hexenspuk um Mitternacht den besonderen Trank, der die Hexen zum Tanz anfeuert.

Seit der Gründung 1955 und der Eintragung ins Vereinsregister 1975 stieg die Anzahl der aktiven Hexen auf 70 Mitglieder in der Kampagne 2009/10. Entgegen dem üblichen Einheitshäs vieler Narrengesellschaften zeichnen sich die Bühler Hexen durch ein farbenfrohes Gesamtbild aus, da jede Hexe ihre eigenen Häsfarben selbst wählt. Vorgegeben sind für Rock, Bluse und Schürze lediglich klein gemusterte (Dirndl-) Stoffe mit gedeckten Farben. Die Holzmasken werden ebenfalls von den vereinsinternen Maskenschnitzern nach individuellen Wünschen angefertigt. Einheitlich für alle Hexen sind das rote Kopftuch mit den weißen Punkten und die den Stadtfarben nachempfundenen blau-/ gelbgestreiften Socken. Der Narrenruf in Bühl ist seit langem das „Helau“. Seit dem Eintritt der Bühler Hexen in den Ortenauer Narrenbund (ONB) 1987 hat sich das „Narri, Narro“ etabliert und wird zwischenzeitlich gleichberechtigt verwandt, auch nach dem Austritt aus diesem im Jahr 2014.

 

2. Örtliche Brauchtumspflege

Mit dem traditionellen Dreikönigstreffen am 06. Januar beginnt für die Bühler Hexen offiziell die Fastnachtszeit. Erstmals seit dem vergangenen Aschermittwoch wird an diesem Tag wieder das Häs angelegt und die aufzunehmenden neuen Mitglieder leisten vor der versammelten Hexenschar den feierlichen Hexenschwur zur Taufe.

Im Gegensatz zum Dreikönigstag startet die Stadt Bühl immer erst drei Samstage vor dem Schmutzigen Donnerstag in die fünfte Jahreszeit. Zum gleichen Termin veranstaltet die Zunft eine von zwei Saalveranstaltungen im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl. Von 2005 bis 2016 stand diese unter dem Motto „BadenMedia Ü-30 Fete mit Ü-18 Kult-Party in der Hexenbar“. Zum Jubiläum 2017 (55 Jahre Bühler Hexenball) realisierten die Hexen unter dem Motto „BH-Ball“ eine neu konzipierte Veranstaltung auf 3 Ebenen. Hierzu gaben Radio-DJ Frank Dickerhof und die „Topstars“ live on Stage im großen Saal Vollgas während in der legendären Hexenbar mit „DJ von der Alm“ wieder bis zum Abwinken gefeiert wurde. Erstmals lies DJ Frank Müller auf der 90er Party im neuen Themenbereich die Bässe so richtig pumpen.

Die Eröffnung der Straßenfastnacht in Bühl findet seit 1982 am Vorabend des Schmutzigen Donnerstag durch den von den Bühler Hexen veranstalteten Sternmarsch der Bühler Narrenvereine mit anschließendem Stellen des Narrenbaumes auf dem Rathausplatz statt. Neben einem närrischen Vorprogramm (Kinder-Schminken mit Luftballonmeer und Kinderdisco) erhält jedes verkleidete Kind ein phosphoreszierendes Leuchtmittel (Knicklicht) und zum Abschluss der Veranstaltung eine Tüte Hexenkonfetti gespendet. Die Veranstaltung wird stets durch ein vielfältiges Programm der teilnehmenden Zünfte und Vereine bereichert. Zum Höhepunkt lodern die Flammen aus den Strohballen auf und die Hexen fliegen in hohem Bogen durch und über das Feuer. Anschließend stärken sich Zuschauer und Akteure gemeinsam an der kostenlosen Narrensuppe.

Der Schmutzige Donnerstag oder „Tag der Hexen“ beginnt in Bühl um 4:00 Uhr mit dem Wecken der Bevölkerung durch die Bühler Hexen. Nach getaner Arbeit treffen sich alle zum gemeinsamen Frühstück im Café am Rathaus. Traditionsgemäß sind zu diesem Ereignis neben Oberbürgermeister und Bürgermeister viele Vereinsvorstände befreundeter Bühler Narrenvereine und die Sponsoren der Zunft anwesend. Das anschließende närrische Treiben in der Stadt erstreckt sich vom Besuch der Bühler Geschäftswelt, den Auftritten der Hexenmusik in Schulen und Betrieben über den Kinderhexentanz in den Kindergärten und Seniorenheimen bis hin zur Teilnahme an der städtischen Narrenspeisung („Wassersuppenessen“) im Friedrichsbau. Nach der Teilnahme am Bühler Hemglungkerlesumzug endet der Tag zumeist mit dem Besuch der örtlichen Gasthäuser.

Der Fastnachtssamstag steht für die Zunft unter dem Zeichen der seit 2003 wiederbelebten Alten Bühler Wirtschaftsfastnacht. Das Badische Tagblatt notierte hierzu in seinem Bericht vom 25.02.2009: „Wenn vorm Rindfuß und Sterne’ die rote Laterne brennt. (…) Auch im siebten Jahr (…) Schnurren und Kokolores wie in alten Zeiten“.

Seit 1962 lädt die Hexenzunft am Fastnachtssonntag zum Hexenball in Bühl. Neben bekannten Kapellen, den traditionellen Auftritten der Hexenmusik sowie weiterer Beiträge geladener Gruppen findet der Abend seinen thematischen Höhepunkt im Hexenspuk mit Hexentanz um Mitternacht. Das närrische Treiben im stets ausverkauften Bürgerhaus dauert bis in die frühen Morgenstunden wobei Zuschauer und Akteure den Abend zumeist am Tresen in der Hexenbar beschließen. Am Rosenmontag geht es für die Hexen schon gleich um 10 Uhr auf den Bühler „Närrischen Markt“. Hier werden neben Glühwein und Kinderpunsch närrische Spielchen zur Belustigung des Publikums angeboten. Den wohlverdienten „Feierabend“ genießen die Aktiven dann anschließend in den Bühler Lokalitäten oder jedes zweite Jahr auf der Landpartie der Bühler Hexen. Die wiederaufgelegte Tradition, Gemeinden im näheren Umland zu besuchen, um dort neben einem musikalischen Ständchen der Hexenmusik die Bevölkerung mit allerhand Schabernack zu überraschen. Die Landpartie führte in der Vergangenheit neben den Ortsteilen Bühls wie Vimbuch, Oberbruch, Moos, Oberweier auch schon nach Scherzheim, ins Murgtal (Gaggenau) und sogar zum Gasthaus Au Cerf (zum Hirsch) nach Roeschwoog im Elsass.

Mit Feuerwerk und Hexenverbrennung im Stadtgarten sowie dem abschließenden Fällen des Narrenbaumes endet am Fastnachtsdienstag die Fastnachtskampagne in Bühl.

 

3. Entwicklung der Zunft

Seit Gründung der Bühler Hexen im Jahre 1955 stieg die Zahl der aktiven Mitglieder bis auf ein gewünschtes Niveau von ca. 70 – 80 Personen stetig an. 1973 wurde damit begonnen, die Familien mit in den Verein zu integrieren und somit stiegen erstmals Frauen und Kinder in das Hexenhäs.

Die Tradition der Hexenbälle in Bühl führt zurück in das Jahr 1962. In der damaligen Stadthalle entstand hierzu eine eigens konstruierte Rutschbahn vom Saal zur Bar im Hexenkeller. Die erste der zwischenzeitlich zwei Saalveranstaltungen (Hexenbälle) liegt immer auf dem Termin der Bühler Fastnachtseröffnung.

In der fast 60-jährigen Vereinsgeschichte prägten neben Gründer Franz-Josef Müller nur Hans-Jürgen Kintz und Rolf Müller als langjährige Zunftmeister die Geschichte des Vereins. Seit 2007 hat Alexander Straub das Amt des Vorsitzenden übernommen.

Die Hexenzunft freut sich mit Ihren derzeit 92 aktiven Mitgliedern auf eine glückselige Fasnet in 2017.



Gernot Baumann

Hexenzunft Bühler Hexen e.V., Februar 2017

Viele weitere Informationen über Verein und Aktivitäten unter: www.buehlerhexen.de